einladung

grenzenlos „in real time“

Mit Musik begeben wir uns oft auf eine Zeitreise. Vor -zig Jahren erdacht, erklingt sie uns im Augenblick, in Echtzeit, in „real time“. Denn sie reicht aus der Vergangenheit heraus in die von uns erlebte Gegenwart.


Dieses Phänomen haben wir im Musikfestival grenzenlos in diesem Jahr zum Thema gemacht - und das aus einem besonderen Grund: Wir feiern 2018 den 300. Geburtstag des in Murnau geborenen Rokokokomponisten Placidus von Camerloher und nehmen sein Jubiläum zum Anlass, das Erleben von Musik in seiner Direktheit und Unmittelbarkeit ins Zentrum des Festivals zu stellen.
Camerloher war ein Meister in einer Zeit des künstlerischen Umbruchs, an der Schwelle vom Barock zur Klassik. In seinen Kompositionen verwendete er zwar noch barockes Material, fügte dieses aber auf damals innovative Weise neu zusammen. So gelang es ihm, die bereits phrasenhaft erstarrten barocken Formen zu durchbrechen. Seine Musik war (und ist!) voller Überraschungen, mitreissender Stimmungswechsel, klanglicher und harmonischer Experimente.


Sein Ziel war es nicht, ein vollkommenes, in sich geschlossenes Werk zu schaffen, wie es die sogenannte "barocke Affektenlehre“ forderte. Camerloher versuchte vielmehr, die Gefühlsregungen der menschlichen Seele „live" - in "real time" - in Musik zu übersetzen und sie somit für jeden auf unmittelbare Weise zugänglich machen. Musik bekam so einen ganz neuen Stellenwert. Sie sollte die Hörer ganz erfassen und sie nicht mehr loslassen.
Das Festival spürt dieser Sicht des Erlebens von Musik nach und versucht zugleich, Camerlohers Musik durch die Kombination mit Jazz und modernen Elementen in ein neues Licht zu rücken. Seine Kompositionen inspirieren die eingeladenen Künstler dazu, Gegebenes zu hinterfragen und Grenzen zu überschreiten, sie lädt ein, Brücken zu bauen zwischen Historischem und Gegenwärtigem, zwischen Konstruktion und Spontaneität, zwischen harmonischen Proportionen und individuellem Gefühl, zwischen meditativer Klangsinnlichkeit und rauschender Energie.


Zu Ehren des Jubilars lud die örtliche Musikschule im Vorfeld des Festivals zu einem Kompositionswettberwerb ein, dessen Ergebnisse zum Auftakt zu hören sein werden. Die ausgewählten neun Komponisten sind den unterschiedlichsten Genres zuzuordnen, ob Klassik, Moderne oder Jazz.
Auch die international renommierte Geigerin Maya Homburger und der Bassist Barry Guy haben sich der Alten Musik verschrieben und spielen doch ganz für die Gegenwart. Zusammen mit ihnen kommen Marco Ambrosini (Nyckelharfe), Jean-Louis Matinier (Akkordeon) und Eva-Maria Rusche (Tafelklavier) am zweiten Festivaltag nach Murnau. In freier Improvisation loten sie die vielfältigen Klangmöglichkeiten ihrer Instrumente aus. Auch eine Komposition von Camerloher wird Grundlage für ihr Spiel sein - übrigens eigens für Murnau eingerichtet.
Der dritte Abend wartet mit zwei verschiedenen Programmteilen auf: Zunächst begeben wir uns auf eine poetische Zeitreise mit dem Schauspielerpaar Undine Brixner und Nikolaus Paryla, auf eine literarische Spurensuche zwischen Gestern, Heute und Morgen. Danach präsentiert der weltweit gefeierte Tenor John Potter mit seiner Gruppe „Dowland Project“ wiederum eine sehr persönliche musikalische Sicht des Wandels vom Mittelalter bis in die Romantik.
Freuen Sie sich mit uns auf besondere musikalische und poetische Momente mit diesen so unterschiedlichen Künstlerinnen und Künstlern, die halb Europa auf der Bühne des Kultur- und Tagungszentrums vereinen werden und vielfältige Bögen schlagen über Zeiten, Räume und Stile hinweg - und das alles „in real time“!


Ihr


Thomas Köthe


Im Namen des Kulturvereins Murnau e.V.